Begegnungs- und Bildungszentren in Indien

Bildung für benachteiligte Kinder


Um den Kindern der in Indien gesellschaftlich geächteten „Unberührbaren“ eine hoffnungsvollere, bessere Zukunft zu ermöglichen, unterstützt Ernst Gerhofer den Bau und Unterhalt zweier Begegnungs- und Bildungszentren in der Region Palamaner. Das Projekt wird in Zusammenarbeit mit der Windhagener Aktionsgruppe „Kinder in Not“ e. V. sowie dem vor Ort ansässigen CSA Trust (Centre for Social Action Trust) unter Leitung von Dr. George Joseph durchgeführt.

 

In der Region Palamaner, im indischen Bundesstaat Andhra Pradesh, herrschen extreme Armutsverhältnisse. Besonders stark betroffen ist die Bevölkerungsgruppe der Tribals. Auch wenn das Kastensystem bereits seit den 50er Jahren offiziell abgeschafft ist, werden Menschen nach wie vor aufgrund ihrer Kastenangehörigkeit diskriminiert. Die Tribals stehen noch unterhalb der vier Hauptkasten, gelten damit als sogenannte „Unberührbare“ und werden als wertlos und „unrein“ angesehen. Gesellschaftliche Ächtung, Benachteiligung und große Armut sind die Folge. Der Zugang zu Bildung bleibt ihnen weitgehend verwehrt. Den Kindern ist es nahezu unmöglich, dieser gesellschaftlichen Sackgasse zu entkommen. 

Film als Initialzündung

Von diesen erschütternden Zuständen hörte Ernst Gerhofer erstmals im letzten Jahr beim Besuch der Kölner Full-Service-Agentur stodt GmbH. Carsten Stodt und sein Team engagieren sich seit vielen Jahren ehrenamtlich für die Aktionsgruppe „Kinder in Not“ e. V. Im letzten Jahr reiste der Kölner privat mit seiner Tochter Hannah und einem Filmteam nach Palamaner, um eine sehr persönliche Dokumentation über die Arbeit der Hilfsorganisation in der Kinder Care Special School für behinderte Kinder zu drehen. Dieser Film war für Ernst Gerhofer der entscheidende Anstoß, sein soziales Engagement nach Indien auszuweiten.

Unterstützung von Kindern soll im Mittelpunkt stehen

Die Unterstützung benachteiligter Kinder ist eine Herzensangelegenheit für den Münchener Unternehmer. So wurde gemeinsam mit der Aktionsgruppe „Kinder in Not“ e. V. und Carsten Stodt nach einem geeigneten Projekt gesucht, bei dem die Bildungsmöglichkeiten von Kindern im Vordergrund stehen. Die Wahl fiel auf den Bau und Unterhalt zweier neuer Begegnungs- und Bildungszentren in den Dörfern Byyappagaripalli und Kothapalli. Bereits bestehende Begegnungs- und Bildungszentren des CSA Trust in ähnlichen Dörfern sind von den Einheimischen akzeptiert und werden gut angenommen. Aktuell besuchen rund 40 Kinder diese Zentren, um einen Schulabschluss zu erwerben.

CSA Trust als Partner vor Ort

Dr. George Joseph, Leiter der Hilfsorganisation Centre for Social Action Trust, hat für die Abwicklung des Projektes unschätzbare Dienste geleistet. Er knüpfte die Kontakte zu den Dorfältesten, führte Grundstücksverhandlungen, organisiert und überwacht die einzelnen Bauphasen. Schon in diesem Herbst, rund ein halbes Jahr nach Projektstart, stand der Rohbau des ersten Begegnungs- und Bildungszentrums; behelfsmäßiger Unterricht fand bereits im Freien statt.

Reise nach Indien

Ernst Gerhofer und seinen Mitarbeitern ist es wichtig, alle unterstützten Projekte – egal, ob in Deutschland oder Indien – sorgfältig zu begleiten und sich von den Entwicklungen immer wieder selbst zu überzeugen. So lag der Besuch in Palamaner nahe, da Carsten Stodt mit seiner Frau und den beiden Töchtern auch eine Reise dorthin plante. Im Oktober war es soweit. Mit dabei waren auch Mihaela Bagaric, zuständig für die Betreuung sozialer Projekte bei Gerhofer, und ihre Tochter Dona.

 

Die Unterbringung erfolgte in der Kinder Care Special School, bei der es sich ebenfalls um ein Projekt der Aktionsgruppe „Kinder in Not“ e. V. handelt. Rund 100 körperlich und geistig behinderte Kinder erhalten hier schulische, aber auch physiotherapeutische Förderung. Amitha, die Frau von Dr. George Joseph, die gute Seele der Einrichtung, hat für alle ein offenes Ohr und kümmerte sich herzlich um den deutschen Besuch.

Unvergessliche Eindrücke

Ein straffes Programm erwartete die Gäste, viele unvergessene Eindrücke sind auf sie eingestürmt – zum Beispiel der Besuch in den Dörfern der „Unberührbaren“. Hier trafen sie auf Menschen, die ihnen trotz großer Armut, Hunger und schwierigste Lebensumstände immer gastfreundlich und herzlich begegneten und das Wenige, was sie haben, gerne teilen. Oder die Fahrt mit dem Schulbus, der die Kinder aus den Dörfern von zu Hause abholt: Zutiefst berührte der Zusammenhalt und die gegenseitige Hilfsbereitschaft gerade unter den Kindern mit körperlichen Einschränkungen. „Alle helfen mit und alle helfen sich gegenseitig – das ist beeindruckend und für uns aus dem Westen eine nicht selbstverständliche Erfahrung“, so Mihaela Bagaric. 

Zu Besuch in Byyappagaripalli und Kothapalli

Ein Höhepunkt der Reise war sicher der Besuch der beiden Dörfer Byyappagaripalli und Kothapalli, in denen die Begegnungs- und Bildungszentren entstehen. Die Begegnung mit den Menschen vor Ort und den Schulkindern machte große Freude: Das Gebäude in Byyappagaripalli ist schon fast fertiggestellt. Hier stehen lediglich die finalen Anstricharbeiten aus. Wie uns Dr. George ganz aktuell mitteilte, kann der Schulbetrieb bereits Anfang Dezember diesen Jahres aufgenommen werden. Für das Begegnungs- und Bildungszentrum in Kothapalli musste zunächst noch das geeignete Grundstück gefunden und gekauft werden. Die Besucher aus Deutschland durften an den Grundstücksverhandlungen teilnehmen, die Dr. George mit den 20 Dorfältesten führte. Die Verhandlungen waren durchaus hart und kamen erst zum Abschluss, als Ernst Gerhofer dem Bau eines zusätzlichen Vordaches zustimmte. Dieses soll den Korbflechtern des Dorfes zugutekommen, um wettergeschützt ihren Beruf ausüben zu können. So profitieren Kinder und Erwachsene gleichermaßen von dem Bauprojekt.

 

Die Bauarbeiten sind zügig gestartet. Bereits Mitte November wurde das Fundament gegossen; die Fertigstellung ist für Frühjahr 2019 geplant. Für die kommenden fünf Jahre ist der Unterhalt beider Begegnungs- und Bildungszentren durch Ernst Gerhofer gesichert, danach wird die Hilfsorganisation vor Ort Unterstützungsarbeit leisten.

Wir kommen wieder

Der Abschied von Indien fiel allen schwer. Als am letzten Abend ein großes Fest mit über 1.000 Kindern gefeiert wurde, floss manche Träne. Aber es blieb vor allem das gute Gefühl, hier etwas bewegt zu haben. Für Mihaela Bagaric ist klar: „Jeder kann helfen, es braucht dazu keine großen Summen. Wir haben hier gesehen und erlebt, wie wichtig die Unterstützung ist und dass wir den Kindern eine echte Perspektive geben. Es macht uns froh, dass wir hier unseren Beitrag leisten können und wir freuen uns darauf, diese Projekte noch lange Zeit begleiten zu dürfen“.